StartSchullebenAktuellesWalter Frankenstein

"Gegen das Vergessen" - Der Zeitzeuge Walter Frankenstein zu Besuch

Ein Beitrag von Bernhard Kessel.

IMG 2324 bVor 80 Jahren, am 9. November 1938, überzogen die Nationalsozialisten die Juden in Deutschland mit einer Nacht des Terrors, die später als "Reichskristallnacht" bekannt wurde. Als damals 14jähriger Jude hat Walter Frankenstein im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg den NS-Terror unmittelbar mitbekommen. Er lebte dort im Auerbach´schen Waisenhaus. Als junger Mann hat Walter Frankenstein im Untergrund in Berlin die letzten Kriegsjahre und den deutschen Faschismus überlebt.

Walter Frankenstein hat am Mittwoch die Ruth Cohn-Schule besucht, um als Zeitzeuge mit einigen Klassen der Fachschule über seine Erlebnisse und Erfahrungen zu sprechen. Seine ganz junge Familie – die Kinder kamen während des Kampfes ums Überleben zur Welt - ist die einzige Familie jüdischer Herkunft, die in Berlin untergetaucht komplett das Kriegsende und die Befreiung erleben konnte; Elternteile und viele Verwandte sowie Freunde waren ermordet worden, weil sie nicht rechtzeitig ins Exil konnten.

Seine Frau hatte er als angehende Erzieherin kennengelernt. Sie ist auch nach 67 gemeinsamen Jahren seine größte Liebe geblieben; deshalb stand ihr Portrait auch bei seinem Besuch in der Ruth Cohn-Schule neben ihm. Heute lebt Walter Frankenstein in Schweden.

Seine von tiefer Humanität und reichlich Humor geprägten Worte drehten sich immer wieder auch um Gegenwart und Zukunft: Er mahnte, dass wir uns alle für Demokratie und Menschlichkeit gegenüber allen Verfolgten engagieren und gegen die aktuellen Bedrohungen der Freiheit stellen sollten. Dabei scheut er bis heute bei seinem Engagement für Humanität nicht davor zurück, auch mit Nationalisten und Rassisten zu sprechen -  und erlebte dabei überraschende kleine Erfolge.

Die Studierenden waren sehr bewegt und stellten viele Fragen zum Verständnis dieser sehr ungewöhnlichen Biografie – vielleicht die einzige oder letzte Gelegenheit der persönlichen Begegnung mit einem Verfolgten des NS-Regimes. Einigen war es wichtig, Herrn Frankenstein zum Abschied persönlich zu danken und ihm die Hand zu geben.

  IMG 2336

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

IMG 2356

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

IMG 2324 b2

Zum Anfang