Die Lernbereiche der Fachschule im Detail

Die Unterrichtsinhalte der Fachschule sind in 16 Themenfeldern zusammengefasst. Die Themenfelder sind fünf Lernbereichen zugeordnet, die als Unterrichtsfächer bezeichnet sind.

Lernbereich I – Kommunikation und Gesellschaft

Themenfelder: Kommunizieren und kooperieren
Sprache als Grundlage menschlicher Entwicklung verstehen und fördern
Kulturarbeit leisten
Entwicklung der personalen und gesellschaftlichen Identität von Kindern und Jugendlichen unterstützen und begleiten

Inhalte des Lernbereichs I

Studierende, die im 1. Semester an der Ruth-Cohn-Schule ihre Ausbildung zur Erzieherin/zum Erzieher beginnen, lernen im Themenfeld 1 „Kommuni­zieren und kooperieren" theoretische Grundlagen der Kommunikation und Gesprächsführung kennen. Darüber hinaus stehen Kenntnisse über Teamentwicklung und Teamarbeit im Mittelpunkt des ersten Themenfeldes.

Im 2. Semester werden im Themenfeld 2 „Sprache als Grundlage menschlicher Entwicklung verstehen und fördern" die theoretischen Grundlagen des Spracherwerbs und der Sprachentwicklung erarbeitet. Die Studierenden lernen Methoden der Sprachstands­erfassung kennen und können den Sprachentwicklungsstand von Kindern erkennen, einschätzen und dokumentieren. Gleichzeitig erarbeiten sich die Studierenden Methoden der ganzheitlichen Spracherziehung und Sprachförderung. Sie wissen, wie man Sprachanlässe schafft und können den frühen Spracherwerb, die frühe Lese- und Schreibkompetenz (Literacy) angemessen unterstützen. In diesem Themenfeld werden zudem Kenntnisse über Sprachentwicklungsstörungen vermittelt.

Im 3. Semester wird das Themenfeld 2 weiter unterrichtet. Schwerpunkt ist jetzt das Thema Deutsch als Zweitsprache. Die Ziele und Methoden zweisprachiger Erziehung sollen dabei ebenso erarbeitet werden wie die Bedeutung interkultureller Pädagogik.

Das Themenfeld 3 heißt „Kulturarbeit leisten" und wird im 4. Semester behandelt. In diesem Themenfeld lernen die Studierenden Kinder- und Jugendtheater genauer kennen und auch andere Institutionen und Angebote, die Kulturarbeit für Heranwachsende anbieten. Zudem setzen sich die Studierenden mit Konzepten interkultureller Pädagogik auseinander.

Im 6. Semester werden im Themenfeld 4 „Entwicklung der personalen und gesellschaftlichen Identität von Kindern und Jugendlichen unterstützen und begleiten" unter anderem folgende Inhalte vermittelt: Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen in einer multikulturellen Gesellschaft, Normen und Werte im interkulturellen Vergleich, Identitätsentwicklung.

Der Lernbereich I arbeitet durch den Themenfeldansatz an unserer Schule eng mit anderen Lernbereichen (insbesondere den Lernbereichen II und III) zusammen, so dass es immer wieder auch eine Verknüpfung von Kinder- und Jugendliteratur mit anderen Themenfeldern gibt.

Lernbereich II – Sozialpädagogische Theorie und Praxis

Themenfelder: Berufliche Identität und professionelle Perspektiven entwickeln
Beobachten, interpretieren, planen und handeln
Bilden und Erziehen: Lernwelten von Kindern und Jugendlichen gestalten
Pädagogische Konzepte umsetzen und Qualität sichern
Kinder und Jugendliche in besonderen Lebenslagen unterstützen

Inhalte des Lernbereichs II

Im Lernbereich II entwickeln Sie Ihre Kompetenzen für den Umgang mit den von Ihnen betreuten Kindern oder Jugendlichen, zur Kooperation mit Eltern und mit Ihren zukünftigen Kolleginnen und Kollegen. Sie reflektieren Ihre Erfahrungen mit Prozessen der Erziehung, Ihre Haltung Kindern und Jugendlichen gegenüber, Ihr Bild vom Kind.

Sie entwickeln Ihre Kompetenz für die grundlegende Fähigkeit zur Beobachtung, sie setzen sich mit verschiedenen Beobachtungs- und Dokumentationsverfahren auseinander. Sie entwickeln Ihr Verständnis von Bildungsprozessen, etwa indem Sie sich mit dem Berliner Bildungsprogramm auseinandersetzen. Sie erwerben Kenntnisse über grundlegende pädagogisch-psychologische Konzepte, wie etwa die Bindungstheorie und das Eingewöhnungskonzept, den Situationsansatz, Montessori- und Waldorf-Pädagogik oder die Reggio-Pädagogik.

Sie setzen sich mit Fragen der inhaltlichen Qualität auseinander, etwa wenn es darum geht zu erkennen, was eine sehr gute Einrichtung der sozialpädagogischen Arbeit ausmacht. Insgesamt erwerben Sie die Kompetenz, sich als Person im Prozess der Beziehungsentwicklung so einzubringen, dass Sie imstande sind, die Ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen in ihrer Entwicklung zu fördern. Auch soll darauf hingewiesen werden, dass Ihrem Lernerfolg im Lernbereich II (wie auch im LB III) im Examen eine besondere Bedeutung zukommt.

Lernbereich III – Musisch-kreative Gestaltung/Bewegung und Spiel

Themenfelder: 10  Entwicklung menschlicher Ausdrucksformen anregen, begleiten und anleiten
11  Lebensräume erschließen und gestalten
12  Alltag und besondere Anlässe gestalten

 

Inhalte des Lernbereichs III

Der Lernbereich musisch-kreative Gestaltung, Bewegung und Spiel umfasst folgende Themenfelder:

Tf 10 - Entwicklung menschlicher Ausdrucksformen anregen, begleiten und anleiten

Tf 11 - Lebensräume erschließen und gestalten

Tf 12 - Alltag und besondere Anlässe gestalten

Bereiche:

- Bewegung

- Musik

- Bildende Kunst, Werken und Spiel

- Medien

Die angehenden Erzieherinnen erwerben breit gefächerte didaktische und methodische Kompetenzen sowie ein Repertoire an Ideen für musisch-kreative, musikalische, sprachliche, spielerische und psychomotorisch-sportliche Gestaltungsprozesse. (siehe Rahmenplan)

Die Verknüpfung mit anderen Themenfeldern wird deutlich und nachvollziehbar hergestellt.

Im Bereich Bewegung erwerben die Studierenden Kenntnisse über die Bedeutung der Bewegung für die kindliche Persönlichkeitsentwicklung. Sie lernen zunächst psychomotorische Übungen und Bewegungsangebote als Basis kindlicher Lern- und Bildungsprozesse kennen, wobei die Eigenaktivität der Kinder und das kreative Gestalten von Bewegungssituationen einen hohen Stellenwert haben. In von Studierenden angeleiteten "Kinderbewegungsstunden" werden dann die erworbenen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten erprobt.

Für die Entwicklung und die Bedürfnisse von Grundschulkindern spielt das "Bewegte Lernen" eine große Rolle. (Ein "bewegter" Unterricht fördert die Konzentration und das Lernvermögen der Kinder.) Die Studierenden lernen Möglichkeiten kennen, wie über Bewegungen mit dem ganzen Körper und über großräumige Bewegungen die Lese-, Schreib- und Rechenfertigkeiten der Schulkinder gefördert werden können. Spielerisches Ausprobieren und Eigenaktivität stehen dabei im Vordergrund. Erlebnispädagogische Aktivitäten (z.B. Klettern, Stadtrallyes oder Hochseilgarten), die für ältere Kinder und Jugendliche geeignet sind, werden im weiteren Verlauf der Ausbildung kennengelernt und ausprobiert.

Darüber hinaus besteht im Bereich Bewegung die Möglichkeit, folgende Zusatzqualifikationen zu erwerben:

Den Jugendskileiterschein im Rahmen einer jährlich stattfindenden Skireise sowie den Rettungsschwimmer-Schein im Profilmodul Schwimmen.

Im Bereich Musik werden die Studierenden angeregt, sich zunächst selber musikalisch auszuprobieren, sie werden darin unterstützt, Musik als eigene Ausdrucksform "wieder" zu entdecken und weiter zu entwickeln. (Mut zum eigenen Sound!)

Gleichzeitig geht es mit Blick auf das erste Praktikum am Ende des ersten Ausbildungsjahr inhaltlich um die Musikpraxis mit Kindern. Es wird musikalisches Handwerk vermittelt, um Kindern Bildungsangebote im Umgang mit der Stimme, Instrumenten, Bewegung, Sprache, Spiel zu ermöglichen. Ein ganzheitlicher Ansatz (rhythmisch-musikalische Erziehung), der Kinder auf verschiedenste Weise in ihrer Ausdrucksfähigkeit anspricht und der kindlichen Entwicklung gemäß ist.

Das Planen, Durchführen und Reflektieren von musikalischen Aktivitäten (Morgenkreis, Geburtstag, jahreszeitliche Anlässe, Musikstunden u. A.) wird intensiv geübt und auf der Grundlage theoretischer Ansätze vermittelt. Ebenso wird der Bezug zum BBP hergestellt.

Im 3. und 4. Semester verändern sich die musikalischen Inhalte entsprechend der Zielgruppe: kreative Projekte in Verbindung mit Musik sind auf die Entwicklung und Bedürfnisse von Kindern im Grundschulalter ausgerichtet. Die Studierenden erar-beiten sich mit kreativen Ideen und Eigeninitiative das Spiel auf Instrumenten, Rhythmusstücke, Lieder, Tanzgestaltungen, mediales Spiel. Sie erfahren Selbst-wirksamkeit und Selbsttätigkeit und gewinnen an Selbst-Sicherheit auch auf musi-kalischem Gebiet. Sie lernen Musik als Ausdrucks- und Kommunikations-mittel kennen und können deren Bedeutung in der Sozialen Arbeit einschätzen.

Die Planung, Durchführung und Reflexion musikalischer Projekte sind auch hier Unterrichtsgegenstand.

Ein Konzert-, Opern- oder Musiktheater-, Kindertheaterbesuch wird durchgeführt.

Jährlich finden musikalische Veranstaltungen statt wie der Musikprojekttag für musikalisch Interessierte der ganzen Schule, das Weihnachtssingen, musikalische Beiträge zum Schulabschluss.

Im Bereich Bildende Kunst, Werken und Spiel sind zentrale Ziele die Förderung der Wahrnehmungsfähigkeit und des eigenen kreativen Verhaltens.

Die Studierenden sollen sich auf neue Erfahrungen einlassen, spielerisch und experimentell ihr eigenes Repertoire an Ausdrucksformen wiederentdecken und weiterentwickeln, um dieses dann mit Freude an Kinder oder Jugendliche weiterzuvermitteln.

Im Bereich Spiel ist die eigene Spielfreude eine wichtige Voraussetzung für das Spiel mit anderen, das Puppenspiel, das Schattenspiel oder das Szenische Spiel.

In Verbindung damit werden hier z.B. Kenntnisse über die Spielpädagogik und den Einsatz ästhetischer Mittel für das Mediale und Darstellende Spiel erworben.

Die Bereitschaft, sich auf neue Erfahrungen einzulassen, bezieht sich weiterhin besonders in Themenfeld 10 im bildnerischen Bereich auf grafische Techniken, die Zeichnung, die Malerei, Mischtechniken, die Drucktechniken oder auch auf den Umgang mit der Fotografie und anderen Medien.

Theoretische Kenntnisse werden hier über z. B, die Kinderzeichnung, die Kreativitätserziehung und die musisch-ästhetische Bildung vermittelt.

Weiterhin steht das Werken, die Auseinandersetzung mit den Materialien Papier, Ton, Gips, Holz, Metall und Textilien, aber auch vorgefundenen Materialien und Dingen im Mittelpunkt der Arbeit. Der Erwerb von handwerklichen und gestalterischen Fähigkeiten ist eine Voraussetzung für die Arbeit in Themenfeld 11, der Gestaltung von Lebensräumen und Themenfeld 12, der Gestaltung von Alltag und besonderen Anlässen, aber auch für Aktivitäten in Zusammenarbeit mit anderen Themenfeldern.

Beispiele:

" Museumsbesuche und – Museumsprojekte" - Studierende erproben sich in der Kunstvermittlung

"Die Welt der kleinen Dinge" - Über das Sammeln, die Dinge und die Arbeit in einem offenen Atelier

"Mein Alltagsmuseum" - Die Ergebnisse aus verschiedenen Übungen zu Sensibilisierung der sinnlichen Wahrnehmung werden in einem temporären Museum dokumentiert

"Hüttenbauen im Wald" - Studierende erleben eine Erlebnispädagogische Aktion

Die Ergebnisse der praktischen Arbeit werden im Schulgebäude präsentiert, um dieses zu einem angenehmen Lernort zu gestalten.

Alljährlich gestaltet der Bereich Kunst Werken und Spiel zum 27.Januar, dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, den Eingangsbereich der Schule, wobei wir uns über Ideen und die Mitarbeit der Studierenden sehr freuen.

Im Bereich Medien geht es über das Erlernen von Dokumentationstechniken hinaus vor allem um kreatives Gestalten mit den Elementen Foto, Text, Ton und (bewegtem) Bild.

In unserem Fotolabor können Erfahrungen mit chemischen Fotoprozessen gemacht werden. Podcasts, Hörspiele, Filme und Trickfilme, Fotomontagen, Flyer, Radiosendungen sind nur einige der möglichen Produkte, die in unseren mit modernen Medien ausgestatteten Fachräumen entstehen können. Themen können dabei sein u.a. die eigene Identität, Integration, die multikulturelle Gesellschaft, der eigene Kiez oder die Lebensumwelt von Kindern und Jugendlichen.

Darüber hinaus geht es inhaltlich um die gesellschaftliche Dimension der Mediennutzung. Die Funktionsweise und Auswirkungen der medialen Umwelt auf Kinder, Jugendliche, Erwachsene und unsere Gesellschaft werden untersucht und diskutiert, Haltungen und Standpunkte für die spätere eigene erzieherische Praxis entwickelt.

Lernbereich IV – Ökologie und Gesundheit

Themenfelder: 13  Natur und Umwelt erfahren und nachhaltig handeln
14  Gesundheit fördern

Inhalte des Lernbereichs IV

Der Lernbereich IV – Ökologie und Gesundheit wird nach dem Grundprinzip des Themenfeldkonzeptes unterrichtet.

Im Mittelpunkt des Themenfeldes „Gesundheit fördern” stehen die Schutzfaktoren, die Menschen in die Lage versetzen, mit täglichen Belastungen umzugehen. Basis dafür ist der salutogenetische Ansatz von Gesundheit, der danach fragt, was Menschen trotz außerordentlicher Belastungen gesund bleiben lässt. Drei wichtige Säulen in diesem Zusammenhang sind die Ernährung, die Bewegung und die Entspannung sowie Grundkenntnisse über Immunsystem und Infektionsschutz. Bei der unterrichtlichen Umsetzung des Themenfeldes geht es stets um die Erarbeitung von Wegen, die individuellen Stärken der Kinder zu fördern. Damit erweist sich Gesundheitsförderung und -bildung als ein durchgängiges Prinzip im pädagogischen Alltag.

Das Themenfeld „Natur und Umwelt erfahren und nachhaltig handeln” steht im engen Zusammenhang mit der ganzheitlichen Förderung von Kindern und Jugendlichen. Inhaltlicher Schwerpunkt des Themenfeldes ist die Umsetzung der Umweltbildung, bei der der Zukunfts- und Gestaltungsgedanke im Vordergrund steht. Die Studierenden werden zunächst selbst eingeladen, Umwelt zu erleben und zu erkunden, Umweltwissen zu erwerben und Umwelthandeln zu erproben. Das soll sie befähigen, eine Bildung, bei der eine umweltgerechte Lebenshaltung als Grundlage für jedes weitere Denken und Handeln stehen, umzusetzen. Die Studierenden erarbeiten dabei Möglichkeiten, wie beispielsweise Kindern überschaubare Sinnzusammenhänge geboten werden können. Die angehenden Erzieherinnen und Erzieher sollen in die Lage versetzt werden, die Neugierde der Kinder und Jugendlichen auf die Umwelt zu wecken und zu erhalten. Sie gestalten Lernmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche, die sie umgebende Welt zu erforschen, zu achten und nachhaltig zu schützen.

Lernbereich V – Organisation, Recht und Verwaltung

Themenfelder: 15  Sozialpädagogisches Handeln im Kontext gesellschaftlicher und rechtlicher Rahmenbedingungen konzipieren und gestalten
16  Sozialpädagogische Einrichtungen als Dienstleistungsunternehmen erfassen und entsprechend handeln

rechtsvorschriften lernbereich 5Rechtliche Rahmenbedingungen (Lernbereich V)Welchen Fragen wir im Lernbereich V zum Beispiel nachgehen:

  • Thema Aufsichtspflicht:
    Können fünfjährige Kinder auch mal beim Spielen in der Kita unbeobachtet bleiben?
  • Thema Elterliche Sorge:
    Müssen Eltern gefragt werden, wenn ihr Kind im „Heim" zum Zahnarzt muss?
  • Thema Kinderschutz:
    Was ist zu tun, wenn es bei einem Kind den Verdacht auf Misshandlung gibt?
  • Thema Kita als Dienstleistungsunternehmen:
    Ist ein „Kinder-Bring-und-Abholservice" für Kita-Eltern eine Aufgabe für ErzieherInnen?
  • Thema Partizipation:
    Kann den Jugendlichen im Freizeitclub die Neugestaltung des Gruppenraums alleine überlassen werden?
  • Thema Qualitätsmanagement:
    Ist intensive Zuwendung beim Wickeln von Krippenkindern messbar?

 

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